Reichersdorf, Geburtsstätte eines großen Heiligen unserer Heimat
Der Heilige Gotthard - der erste Heilige Altbayerns
"Der allmächtige Gott hat es gefügt, dass im Bayernlande bei dem Kloster des heiligen Mauritius, welches an dem Ufer der Donau gelegen ist und Altaich genannt wird, ein Knabe von ausgezeichneten Anlagen, namens Godehard, frommen Eltern geboren wurde, die er aber an Frömmigkeit noch weit übertreffen sollte."
So beginnt Wolther (Kanoniker an der Hildesheimer Domkirche und Zeitgenosse Gotthards) die Lebensbeschreibung des Heiligen Gotthard der um 960 in Reichersdorf auf dem heutigen "Godlhof" (abgeleitet von Gotthard, Volksmund: Godl) geboren wurde.
1. Der Godlhof in Reichersdorf

Der durch alle Zeiten hoch in Ehren gehaltene Bauernhof hat wiederholt bauliche Veränderungen erfahren.
Der stattliche Hof wurde unter Abt Paulus Gmainer (1550-1585) renoviert und hat sich im wesentlichen so bis heute erhalten. Er ist seit 1741 im Besitz der Familie Lösl. (Jetziger Familienname: Jacob)
Er ist ein Obergeschossblockbau mit 3 Schroten. Ein Granitstein am Haus angebracht, zeigt die Jahreszahl 1550, wohl die Zeit der Renovierung.
Viel älter aber ist das ebenerdig liegende Gotthardzimmer, das rechts vom Eingang zum Haus liegt. Die Seitenaußenmauer hat eine stattliche Dicke von ca. 1.5 m und ist aus Feldsteinen gemauert.
Aus Anlass der 800. Wiederkehr der Heiligsprechung von Gotthard im Jahr 1931 erfuhr das Stüblein eine würdige und passende Neueinrichtung mit alten kirchlichen Kunstgegenständen, die sich auf den hl. Gotthard und seine Verehrung beziehen.
Dieses Zimmer ist jederzeit zugänglich, und wird von vielen Menschen als "Verehrungsort" aufgesucht.

2. Die Gotthardkapelle
Eine erste Kapelle wurde unter Abt Paulus Gmainer in Holzbauweise errichtet. Bei dieser Kapelle entsprang dann im Jahre 1664 ein Brunnen, dessen Wasser die Gläubigen eine große Heilkraft zuschrieben. Alljährlich am 4. Mai zog der Abt von Niederalteich mit seinen Mönchen in feierlicher Prozession nach Reichersdorf. (Bis zum Jahre 1803 - Aufhebung des Konvents durch die Säkularisation).
Im Jahre 1851 wurde der in Mitleidenschaft gezogene Holzbau durch eine neugotische Kapelle ersetzt. Die Dorfgemeinschaft von Reichersdorf und die übrige Pfarrgemeinde kamen als Träger auf. (Kostenaufwand 1400 Gulden). Die Quelle wurde in den Neubau mit einbezogen, und ist jetzt in der Kapelle.

Der neugotische Altar ist ein Werk des Hengersberger Bildhauers Franz Seywald aus dem Jahre 1851. In der Kapelle ist eine spätgotische Holzfigur des hl. Gotthard, geschaffen um 1500. Sie ist wohl die älteste Darstellung des Heiligen in Niederbayern.
Für die 850-Jahrfeier der Heiligsprechung des hl. Gotthard 1981, wurde die Kapelle renoviert und durch die monumentale Bronze-Figur des Kirchenpatrons, die Leopold Hafner geschaffen hat, bereichert.
Diese sichtbaren Zeugnisse sollen uns auf die Person, das Leben und Wirken des hl. Gotthard hinführen:
3. Lebensbeschreibung des Hl. Gotthard
Der hl. Gotthard wurde um 960 in Reichersdorf geboren. Er war der Sohn des Bauernmannes Ratmund, der Probst (andere Quellen Dienstmann) des Klosters Niederaltaich war.
Der junge Gotthard besuchte in Niederalteich die Klosterschule. Durch seine ausgezeichnete Begabung und großen Eifer konnte er bald die höhere Schule besuchen und wurde dann von den beiden Priestern Udalgis und Rumbold in die höheren Wissenschaften eingeführt. Als Erzbischof Friedrich von Salzburg einmal Niederalteich besuchte, wurde ihm Gotthard vorgestellt. Friedrich nahm den begabten Schüler mit nach Salzburg. Hier bildete er sich an der Domschule weiter und setzte später seine Ausbildung in Passau fort.
Im Alter von 25 Jahren kehrte er nach Niederalteich zurück und Probst des Kanonikerstiftes. Am 21. Dezember 991 legte Gotthard die benediktinischen Ordensgelübde ab. Er zog das Novizengewand des hl. Benedikt an und wurde Mönch vom Scheitel bis zur Sohle.
Zwei Jahre später wurde er zum Priester geweiht. Ende Dezember 996 wurde er der 15. Abt von Niederalteich.
Schon bald nach seiner Wahl entfaltete er auf allen Gebieten eine fruchtbare Tätigkeit. Gotthard selbst rodete mit einigen Mönchen den Helmgeres-Berg (Frauenberg), erbaute hier eine Kirche und Burg und siedelte die damals in Niederalteich ansässigen Kanoniker (Chorherren) an. Er wurde somit zum Begründer von Hengersberg.
Weil nun in Altaich wieder ein geordnetes klösterliches Leben herrschte, auch die Anzahl der Mönche stieg schnell an, konnte sich die Abtei nach außen hin wieder entfalten. Verloren gegangene Besitzungen wurden wieder erworben. (Flintsbach mit seinen Kalk und Sandgruben, Güter in der Wachau)
Neue Besitzungen kamen hinzu als Schenkung des Herzogs (u. a. das Gebiet zwischen Winzer und Hofkirchen)
Nicht zuletzt zeugt vom Aufschwung
des Klosters die wieder aufgenommene Rodungstätigkeit im bayerischen
Wald; Lalling, Kirchdorf im Wald, später unter Gunther Rinchnach
und Regen, dürften in dieser zweiten Altaicher Rodungsphase gegründet
worden sein.
Die strenge Befolgung der Benediktinerregel,
die feierliche Gestaltung der Liturgie und die Stärkung der Wirtschaftskraft
waren sein Ziel.
Unter Abt Gotthard wurde das Kloster
Niederalteich zu einem Ausstrahlungspunkt der klösterlichen
Reformen.
Auf höheren Befehl übernahm
er, die Abtwürde beibehaltend, die Leitung der Abteien in Kremsmünster,
Tegernsee und Hersfeld, um die verfallene Klosterzucht wieder herzustellen.
"Sieben Jahre wirkte Gotthard
in Hersfeld und unter seiner tatkräftigen Leitung veränderte
auch diese Abtei allmählich ihr Gesicht - im Sinne der Klosterreformen;
anstelle eines verweltlichten Lebensstiles regte sich wieder benediktinischer
Geist, auch gegen viele Widerstände, und dieser innere Aufschwung
ermöglichte wiederum die äußere Konsolidierung. Die
wirtschaftlichen Verhältnisse besserten sich, die Gebäude
wurden hergerichtet und Gotthard konnte sogar eine Klosterschule gründen."
Im Jahr 1022 wurde er zum Bischof von
Hildesheim als Nachfolger Bernwards geweiht. (Berufen von Kaiser Heinrich
II., dem Heiligen). Klerus und Volk leitete er als Oberhirte wachsam
und sorgfältig.
Sein erhaltener Bischofsstab hat uns
sein Programm überliefert:
"Sterne resistentes stürze
die Trotzigen Stantes rege regiere die
aufrecht Stehenden Tolle jacentes" hebe
die Zusammengebrochenen wieder auf
Im Bistum Hildesheim wirkte er noch
15 Jahre und ließ über 30 Kirchen sowie zahlreiche Klöster
und Spitäler errichten. Am 5. Mai 1038 starb er nach einem erfüllten
Leben und wurde in der Domkrypta zu Hildesheim bestattet.
Die Verehrung des Bischofs Gotthard
setzte sehr bald nach seinem Tod ein. Eine Reihe von Wunderberichten
sind überliefert, die Heilungen und andere Gebetserhörungen
zum Inhalt haben.
Im Jahre 1131 (29. Oktober 1131)
wurde er auf der Synode von Reims von Papst Innozenz II. heiliggesprochen.
Er hatte zwei bedeutsame Fürsprecher, die wie er in die Kirchengeschichte
eingingen: Norbert von Xanten, ehemaliger Hildesheimer Domschüler
und Gründer des Prämonstratenserordens, und Bernhard von Clairvaux,
der großen Zisterzienser.
Somit ist Gotthard der erste "Altbayer",
der von einem Papst heiliggesprochen wurde.
4. Die Verehrung des hl. Gotthard:
Hildesheim:
Bereits 1133 begann Gotthards heiligmäßiger
Nachfolger, Bischof Bernhard 1. den Bau einer gewaltigen Basilika, der
Gotthardikirche in Hildesheim.
Sofort nach der Heiligsprechung drang die Verehrung
in weiteste Fernen. Ganze Pilgerscharen aus allen deutschen Gauen kamen
in den nächsten Jahren nach Hildesheim. Das ganze Mittelalter hindurch
blieb die Godehardswallfahrt lebendig; erst die Glaubenserneuerung vermochte
ihr Stillstand zu gebieten.
Weitere Verehrungen in Deutschland:
Erfurt, Merseburg, Brandenburg, Strehlen, Liesborn
(Münster), Kämmerzell (Fulda), Göppingen, Niederaltaich,
Reichersdorf, Schwanenkirchen, Kirchberg i. W., Metten und Michaelsbuch,
Augsburg 5. Verehrungen in Europa:
Kremsmünster, Graz (Österreich) Brozan, Böhmisch-Brod (Tschechoslowakei) Leslau, Krakau (Polen) St. Gotthard a.d.Raab (Ungarn) Genua, Mailand, (Italien) Kloster St. Gotthard, (Schweiz) Arneke (Frankreich) Königsbusch (Holland) Hornstrup (Dänemark)
Diese Orte sind stellvertretend für die vielen
Verehrungen des hl. Gotthard aufgeführt. 6. Würdigung Über die sichtbaren Zeugnisse: Godihof und Gotthardskapelle
in Reichersdorf kann ein Zugang zu diesem Heiligen in unserer Heimat
gefunden werden.
"Gotthard steht als eine abgeschlossene, starke,
christliche Persönlichkeit von seltenem Ausmaß vor unseren
Augen. An geistiger Bedeutung überragt er die meisten Zeitgenossen.
Er war nicht nur mit der Gelehrsamkeit seiner Zeit ausgerüstet,
sondern auch für praktische Kulturaufgaben stark interessiert.
Aus seinem Auge leuchtete der starke Wille und die Tatkraft, schwierige
Aufgaben auch um den Preis von Opfern zu bewältigen ...." Gotthard auch ein Mensch unserer Zeit?!
7. Ouellen

